Bericht "Zukunft der Mobilität: Podiumsdiskussion am 2. Mai in der Alten Synagoge"

,Hermino Katzenstein(MdL),Manfred Stindl (VCD)

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Gut besucht war die Podiumsdiskussion der GLH und der Grünen in der Alte Synagoge. Das verwundert nicht, denn Verkehr ist eines der großen Themen unserer Zeit, und gerade auch in Hirschberg von unmittelbarer Relevanz. Zudem war das Podium hochkarätig besetzt: 

-Dr. Jutta Deffner, renommierte Mobilitätsforscherin am Institut für Sozialökologische Forschung in Frankfurt,  

-Hermino Katzenstein, Abgeordneter und verkehrspolitischer Sprecher der grünen Fraktion im baden-württembergischen Landtag und langjähriger Aktiver im Heidelberger ADFC,

-Manfred Stindl, Mitglied im Vorstand des Kreisverbands des VCD

Moderiert wurde die Veranstaltung von Arndt Weidler, Mitglied im Vorstand der GLH und Kandidat für die anstehenden Gemeinderatswahlen. 

Die drei Gäste waren sich einig, dass eine Verkehrswende nötig ist. Laut Katzenstein sei der Verkehr nach wie vor das Sorgenkind in Sachen Klimaschutz, denn während in allen anderen Bereichen zumindest langsame Fortschritte gemacht würden, stiegen im Verkehrssektor die Emissionen sogar noch an. 

So ging es mehr um das „Wie“ der Verkehrswende. Wie kann man Pendler zum Umstieg auf den Umweltverbund (ÖPNV, Fuß, Rad und Car Sharing) motivieren? Wie schafft bringt man die Interessen aller Verkehrsteilnehmer unter einen Hut? Um den Pendlerverkehr zu reduzieren, müssen, so Deffner, Lücken in der Mobilitätskette geschlossen und attraktive Angebote geschaffen werden. Ein Car-Sharing-Auto für ganz Hirschberg werde nicht ausreichen, auch wenn es zumindest ein Anfang sei. (Zur Info: Das Auto steht seit einigen Wochen in der Fenchelstraße und ist über StadtMobil buchbar.) Immerhin, stellte Stindl fest, gäbe es inzwischen eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Umweltverbund in der Rhein-Neckar-Region. So erhalten StadtMobil-Kunden eine ermäßigte ÖPNV-Monatskarte und andersherum VRN-Abonnenten ermäßigte Konditionen für das Car Sharing. Die Lücken in Mobilitätsketten zu schließen, bemühe sich die Landesregierung stetig, erklärte Katzenstein: Alte Bahnstrecken werden wieder in Betrieb genommen, für Radschnellwege gebe es nun eine Gesetzesgrundlage, so dass hier auch in der Region bald erste Erfolge sichtbar bzw. „er-fahrbar“ werden dürften. 

Die Schwierigkeit liege darin dass die jahrzehntelange Bevorzugung des Autoverkehrs ihre Spuren hinterlassen habe, die nicht so einfach ausgeglichen werden könnten. So wurde bisher immer von der Straßenmitte aus gedacht, erklärte Katzenstein: oberste Priorität hatten fahrende und parkende Autos und den restlichen Platz mussten sich Radfahrer und Fußgänger irgendwie teilen. Hier sei ein Umdenken dringend nötig. Die Landesregierung versuche die Mittel für den Betrieb und Ausbau von ÖPNV und Radverkehr massiv zu erhöhen, scheitere aber oft am wenig progressiven Koalitionspartner.

Zentral sei aber auch die Verkehrsvermeidung, die nur durch ein Umdenken in der Siedlungspolitik zu erreichen sei, erklärte Deffner: Kurze Wege und attraktive Nahversorgung anstelle der autogerechten Stadt mit einer durchgängigen räumlichen Trennung von Arbeiten, Wohnen und Einkaufen. Diese Entwicklung würde nicht nur Verkehr reduzieren, sondern auch zu mehr Lebensqualität in den Orten beitragen. Ein gutes Beispiel für die Einbußen an Lebensqualität durch zu viele Autos stellte Stindl vor: Der VCD hatte in Wiesloch eine stark befahrene Straße nahe der Fußgängerzone vorübergehend 

mit Topfpflanzen auf den Parkplätzen begrünt. Das Ergebnis sei verblüffend gewesen, denn die Aufenthaltsqualität sei merklich gestiegen, obwohl der Autoverkehr nicht eingeschränkt wurde. Allein die Umwidmung des Parkraums habe eine neue – gefühlt gerechtere – Aufteilung des öffentlichen Raums erwirkt.

Zum Abschluss wurde die Diskussion für Fragen aus dem Publikum geöffnet. Die angeregte Debatte zeigte deutlich, dass die Bürgerinnen und Bürger eine Verkehrswende wollen und von den politischen Akteuren entschlossenes Handeln erwarten. Katzenstein: „Wir haben keine Zeit mehr. Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel tatsächlich erlebt, und dabei die letzte Generation, die etwas dagegen tun kann.“ Es wird höchste Zeit für die Verkehrswende.